Fortbildung Seenotfall

12.08.2019

Fortbildung der DLRG Ortsgruppe Kleve e.V.

Im Rahmen der regelmäßigen Schulungen fand eine Fortbildung zum Thema Seenotfall statt.
Ein gerade in dieser Zeit vielbeachtetes Thema in den Medien.

Umso erfreulicher, dass mit Derik Stalder erneut ein kompetenter Referent für diese Thematik gewonnen werden konnte. Stalder ist nicht nur Mitglied der Ortsgruppe, sondern zugleich u.a. auch in der Prüfungskommission für den DLRG-Bootsführerschein beim Landesverband Nordrhein e.V. in Düsseldorf aktiv.

Eingangs erhielten die Aktiven zunächst eine Übersicht über die übergeordneten Organisationen.
Zu nennen ist hier die International Maritime Organisation (IMO) Hierbei handelt es sich um eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in London. Bereits seit 1948 gehört zu deren Aufgaben, alle rein nicht wirtschaftliche Angelegenheiten der Handelsschifffahrt zu regeln.
Ziel ist ebenso die Reduzierung der Verschmutzung der Meere sowie die Schiffssicherheit und die Sicherheit der Seefahrt insgesamt zu verbessern.
In diesen Kontext ist auch SOLAS, also die Convention of Safety of Life at Sea, also ein Übereinkommen zum Schutz (menschlichen) Lebens auf See zu sehen.

Stalder führte aus, dass auch Deutschland IMO-Mitglied ist. „Seenotfälle werden damit durch die übergeordnete Behörde, dem Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, fachlich zugeordnet. Die tatsächliche Hilfe im Seenotfall wird durch die beauftragten Organisationen geleistet. Damit ist die Deutsch Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) mit ihrer Zentrale in Bremen gemeint. Von dort erfolgt der Einsatz der Seenotrettungskreuzer sowie entsprechenden Booten. Ferner werden bei Bedarf auch Hubschrauber der Bundeswehr, SAR, eingesetzt. Deren Zentrale befindet sich am Dienstsitz Münster.

„Havariekommando Cuxhaven, noch nie gehört“, so ein Kommentar während des Vortrages.
Hierbei handelt es sich um eine seitens des Bundes zusammen mit fünf Küstenländern eingerichtete Organisation. Auslöser war ein mit einem Brand einhergehender Totalverlust des Holzfrachters „Pallas“ im Jahre 1998 vor Amrum. Die Organisation stellt die Gewährleistung eines koordinierten Unfallmanagement auf Nord- und Ostsee sicher. Hierbei wird sowohl auf Luft, als auch auf Radarüberwachung der Seegebiete zurückgegriffen. Ebenso präsent der Lotseneinsatz sowie die ständige Bereitstellung eines Notfallschleppers auf hoher See, mit Reede vor Helgoland.

Im Folgenden wurde vermittelt, wann gemäß Seeschifffahrtstraßenordnung (SeeSchStrO) ein Seenotfall vorliegt. Von einem solchen wird immer dann gesprochen, wenn menschliches Leben oder erhebliche Wertgüter in Gefahr sind. Im Einzelnen gehören dazu „Person über Bord“, eine lebensbedrohende Erkrankung oder Verletzung eines Besatzungsmitgliedes, ein drohender Totalverlust des Schiffes, Feuer an Bord oder eine Havarie mit drohendem Sinken.
Es gilt der Grundsatz: JEDER, der sich in erreichbarer Nähe befindet, ist verpflichtet Hilfe zu leisten!

Das Anzeigen eines Seenotfalles ist auf unterschiedlichen Wegen möglich. Neben Knall- u. Schallsignalen dem Setzen von Notzeichen des Internationalen Signalbuches sowie Nutzung des Sprechfunks kommen auch Handfackel, Seewasserfärber oder rote Fallschirmleuchtraketen zum Einsatz.

Ausführlich wurde auf das Global Marine Distress and Safety System (GMDSS) eingegangen.
Gemäß IMO sind die Weltmeere für die Nutzung GMDSS in vier sogenannte Seegebiete A1 bis A4 aufgeteilt. Die Seegebiete unterscheiden sich durch die jeweilige Sprechfunkreichweite bis zum Erreichen der ersten Küstenfunkstelle. Hierdurch werden Entfernungen von 56 bis 740 km Abstand zur Küstenlinie abgedeckt. Darüber hinaus erforderliche Weitverbindungen z.B. für die Seegebiete A3 und A4 werden über Kurzwelle, primär über Satellit.

Für die Aktiven, die als Bootsführer eingesetzt sind, folgte eine intensive praktische Einweisung in Funkmeldungen im sogenannten Not-Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr. „Auch interessant für uns, die wir noch nicht Bootsführer sind und auch noch kein entsprechenden Sprechfunkzeugnis für die Schifffahrt haben“, so die einhellige Meinung.

 Weiter wurde auf die unterschiedlichen pyrotechnischen Seenotsignalmittel eingegangen.
Wichtig dabei ist zu wissen, dass diese in Deutschland dem Sprengstoffgesetz unterliegen.
Ab einer genau definierten Sprengstoffmenge ist ein Fachkundenachweis Pflicht.
Umso verständlicher, wenn man sich bewusst macht, dass eine entsprechende Signalrakete eine Steighöhe von bis zum 300 m entwickelt. Zum Vergleich dazu eine Silvesterrakete, die max. eine Steighöhe von 80 m erreicht.


Die im TV häufig zu sehende Signalpistole unterliegt dem Waffengesetzt. Selbst Inhaber eines Fachkundenachweises benötigen zusätzlich eine Waffenbesitzkarte (WBK) und müssen ihren Bedarf bei der zuständigen Behörde nachweisen.

Nach Beendigung des theoretischen Teils konnten die Aktiven die erworbenen Kenntnisse der Signalmittel durch Zünden von Handfackeln auf dem Gelände hinter dem DLRG-Haus nachweisen.

Fazit:
Eine sehr informative Veranstaltung und das nicht nur für die Bootsführer.
„Herzlichen Dank dafür“, so Pressesprecher Herbert Boot an den Referenten, Derik Stalder.

HB